Was ist Gestalt?  

Gestaltpsychologie ist im Grunde eine Psychologie der Begegnung: Wahrnehmung trifft auf Wahrnehmung, Wirklichkeit auf Wirklichkeit, Existenz auf Existenz.

Es beginnt mit der ganzheitlichen Wahrnehmung der eigenen Person, dann mit der des Gegenüber, kann so zu einer gegenseitiger Annäherung und Erschließung und zu einer neuen bedeutsamen Begegnung und neuem Lernen führen.

Gestalten in der Wahrnehmung

Gestaltpsychologik beschränkt sich nicht auf Einzelwahrnehmungen, sondern beleuchtet ein Phänomen aus verschiedenen Blickrichtungen und immer vor einem Hintergrund. So entstehen vor dem Hintergrund eigener Lebenserfahrungen, aber auch bei der Erforschung des hinter einer Handlung liegenden Sinns oder Ziels Gestalten, Bilder. Hintergrund und Gestalt bilden beide die Gesamtheit der eigenen Wirklichkeit.

Und dann gibt es noch die Wirklichkeit des Gegenübers.

Gestaltwürfel 

Die Einzelwahrnehmungen ergeben zusammen ein Gesamtbild.

 

Bedürfnis-Gestalten

Ähnlich bilden sich die Bedürfnis-Gestalten: Ein Bedürfnis rückt aus dem Unterbewusstsein ins Bewusstsein und nimmt Gestalt an. Wird dieses Bedürfnis befriedigt, in der Gestaltpsychologie sprechen wir von "abgeschlossen", geht das Bedürfnis wieder in den Hintergrund und macht neuen Bedürfnissen Platz.

Nicht immer können wir unsere aktuellen Bedürfnissen sofort befriedigen. Dann schieben wir sie in den Hintergrund. Doch sie sind nicht abgeschlssen und kommen wieder, manchmal nicht sofort und häufig unerwartet, immer aber mit eiener stärkeren Kraft, die nach Abschluss ruft. Mit jedem Wiederauftauchen gewinnt das Bedürfnis an Energie, bis sie letztendlich die erwachsene Persönlichkeit übernehmen, um geschlossen zu werden. In diesem Fall verliert der erwachsene Teil der Persönlichkeit die Kontrolle über das eigene Denken, Fühlen und Handeln.

Gewahrsein

Im Mittelpunkt der gestaltpsychologischen Arbeit steht die Entwicklung und Verfeinerung des Gewahrseins, der bewussten Wahrnehmung -englisch: „awareness“- aller gerade vorhandenen und zugänglichen Gefühle, Empfindungen und Verhaltensweisen des Klienten durch ihn selbst. Der Klient soll dadurch in die Lage versetzt werden, seine Impulse zu steuern und die Kontaktstörungen, die ihn daran hindern, mit seiner Umwelt in einen befriedigenden Austausch zu treten, als solche zu erkennen und zu erleben. Über die Reaktivierung emotionaler Bedürfnisse und der Wahrnehmung derselben soll es dem Klienten ermöglicht werden, seine Kontaktstörung zu überwinden.
Siehe auch: Awareness-Test

Gewahrsein hilft Menschen, sich selbst und andere in ihrer Ganzheitlichkeit wahrzunehmen. Gewahrsein sorgt dafür, dass die/der Beobachtende für sich erkennbar zwischen Sinneswahrnehmung und Deutung unterscheidet. Gewahrsein schärft die Wahrnehmung. Gestalt-Psychologen hören deswegen nicht nur aktiv zu, sie sehen auch aktiv die Körpersprache und sie hören, was nicht gesagt wird. Und sie fragen nach.

Das dialogische Prinzip

Therapeut und Klient arbeiten im gestaltpsychologische Coaching im Dialog. Durch diese Arbeit soll der Klient unmittelbar mit seinen "Problemen" in Kontakt kommen. Deswegen erhalten sie vom Klienten erst einmal die Erlaubnis zu existieren und zu ihm zu gehören. "Das, was da ist, ist auch okay! Es darf sein!"
"Ich kann nur an etwas arbeiten, das auch wirklich da ist und mir gehört!" Durch das Annehmen des "Problems" kann nun der Klient an diesem arbeiten. Zunächst gilt es, den Sinn des "Problems" in seinem Leben erkennen. Durch neue Blickwinkel auf den Sinn, neue Einsichten können im Anschluss alternative Verhaltensweisen erschlossen, die den gleichen Sinn erfüllen, durch die die mit dem "Problem" verbundene Kontaktkstörung vermieden werden können.
Durch unterschiedliche Übungen werden die Selbsteuerung gefördert und die Selbstheilungskräfte mobilisiert.

Literaturhinweise;
www.gestaltpsychologie.net/gestaltpsychologie-definition.shtml
www.gestaltpsychologie.net/gestalttheorie-definition.shtml

Juli 7, 2017