Macht  

Macht hat im Prinzip bei uns in Deutschland ein schlechtes Image. Aus meiner Sicht resultiert diese Haltung dem Wort "Macht" gegenüber aus persönlichen Erfahrungen der Ohnmacht gegenüber einem selbst erlebten Machtmissbrauch.
Zur Verbesserung dieses Images will ich hier beitragen.

 

Mit der Macht sind "die drei P's" verbunden:

Das erste P steht für Power = die Macht selbst. Wer Macht hat, kann gestalten, kann etwas machen. Die Machtinhaber*in führt (best case) oder treibt (worst case), ist aber immer Vorbild (vgl. Lev Vygotski) im Gebrauch von Macht. Die Geführten (oder Getriebenen) lernen von ihr, wie sie Macht nutzen werden. Umso wichtiger sind die beiden anderen P's.

Das zweite P steht für Protection = Schutz. Nur wer Macht hat, kann auch schützen. Die Machtinhaber*in schützt ihre Gruppe nach außen und nach innen. So bewacht sie auch die gültigen Regeln (die sie mit den Menschen, die sie führt, vereinbart hat) und ist ihren Geführten gegenüber nach außen hin loyal.

Das dritte P steht für Permission = Erlaubnis. Die Machtinhaber*in erlaubt den Menschen, die sie führt und über die sie Macht z.B. qua Amt hat, sich so zu entwickeln, wie diese es wollen.

Dort, wo eines der letzten beiden P's durch die Machtinhaber*in nicht gewährleistet wird, liegt Machtmissbrauch vor.

.Beispiele:

3Ps der Macht  
  • Ein Machtinhaber, z.B. ein Staatsmann, entzieht den Menschen, die anders als er denkt, den Schutz und verfolgt sie. -> Machtmissbrauch.
  • Eine Lehrer*in schafft eine Situation im Unterricht, in der eine Lernende bloßgestellt wird. -> Machtmissbrauch
  • Ein Mann zwingt eine Frau oder ein Kind zu Handlungen, die letztere nicht wollen. -> Machtmissbrauch.

Die Liste kann aus tagtäglichen beispielen fortgesetzt werden. Sie demonstrieren immer, dass die Machtinhaber*in nicht in der Lage ist, mit Vielfalt umzugehen und gleichzeitig deutlich zu machen, dass die Regeln trotz eines Regelbruchs immer noch gelten.

Machtmissbrauch und die damit häufig verbundene Kriminalisierung oder Pathologisierung von geführten Menschen
haben im Grunde nur den Zweck, ein massives Führungsproblem zu verschleiern.

Noch gefährlicher sind allerdings Machtinhaber*innen, die die ihnen verliehene Macht ablehnen und nicht nutzen.

Lernbegleiter*innen sind Machtinhaber*innen und sind sich ihrer Macht bewusst. Sie schützen die Menschen in ihrer Lerngruppe z.B. vor physischen und psychischen Angriffen. Sie vereinbaren in individuellen Lernentwicklungsgesprächen die geplanten Komptenzentwicklungen und begleiten die Lernenden in der Umsetzung empathisch, authentisch und wertschätzend.

 
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© GPZ-SH/som ( November 16, 2018 )